Veranstaltungsbericht: Fachbehörden auf Exkursion in der renaturierten Lippeaue

Juli 8, 2026

Fachveranstaltung „Potenziale extensiver Ganzjahresbeweidung in renaturierten Auen als Instrument für die Wiederherstellung“

Am 3. Juli 2026 hat die DUH gemeinsam mit der ABU Biologische Station Soest e.V. 40 Behördenvertreterinnen und -vertreter aus Naturschutz, Landwirtschaft, Forst und Gewässer sowie Praktikerinnen und Praktiker zu einer Fachveranstaltung mit Exkursion in die renaturierte Lippeaue eingeladen. In der Lippeaue wird seit rund 30 Jahren ganz auf die naturnahe Ganzjahresbeweidung als Naturschutzinstrument gesetzt. Die Beweidung hat das rund 250 ha große Gebiet nicht nur in ein Paradies für Libellen, Kiebitz, Weißstorch und Co verwandelt, sondern dient als Schwammlandschaft auch dem Wasserrückhalt, Hochwasserschutz und Klimaschutz. 

Neben fachlich spannenden Einblicken in die wasserbauliche Praxis der Auenrenaturierung und das Innenleben von Kuhfladen mit hunderten Dungkäfern, war die Begegnung mit den Auerochsen-ähnlichen Taurus-Rindern ein Highlight der Exkursion. Die Tiere leben ganzjährig auf den großen Weideflächen und können dort ihr natürliches Verhalten im Herdenverband ausleben. Der regelmäßige Kontakt mit der Herde durch Katharina Küper, Matthias Scharf und Roland Loerbroks von der ABU macht den Umgang entspannt und die Teilnehmenden konnten die Rinder aus der Nähe erleben.

Am Nachmittag kamen die Teilnehmenden in der landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsanstalt Haus Düsse gemeinsam ins Gespräch. Nach einem Vortrag von Gabi Fiedler (Projektleiterin „Wilde Wasserweiden“, DUH) zu den politischen Dimensionen von Beweidung auch im Kontext der WVO, stellte Prof. Dr. Thomas Fartmann (Universität Osnabrück) die große Bedeutung von Beweidung für die Biodiversität in Auen anschaulich dar. Die verschiedenen fachlichen Hintergründe der Teilnehmenden führten in der Auswertung der Workshops zu spannenden Ergebnissen.

Diskutiert wurden unter anderem Möglichkeiten zur Flächenakquise und -sicherung für mehr Wilde Weiden und wie die behördenübergreifende Zusammenarbeit bei der Umsetzung verbessert werden kann. Darüber hinaus wurden die Herausforderungen bei der Finanzierung von extensiver Ganzjahresbeweidung als Naturschutzinstrument hervorgehoben und damit die Dringlichkeit für politische Unterstützung besonders deutlich.

Die regen Diskussionen und Ergebnisse aus den Workshops haben gezeigt, wie wichtig es bei der Planung extensiver Ganzjahresweiden ist, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und die Perspektiven anderer Fachressorts einzubeziehen. Nur so lassen sich gemeinsam flexible Lösungen entwickeln und Synergien nutzen. Viele Teilnehmende aus den verschiedenen Fachbehörden bestätigten, dass dieser fachübergreifende Austausch im Arbeitsalltag häufig zu kurz kommt. Entsprechend wurde der Wunsch nach neuen Austauschformaten und den dafür notwendigen personellen und zeitlichen Ressourcen geäußert. Die vorgestellten Good-Practice-Beispiele sowie die gemeinsam erarbeiteten Lösungsansätze zur Flächenakquise und zur Schaffung von Planungssicherheit für die bewirtschaftenden Betriebe haben gezeigt, welches Potenzial in einer engen Zusammenarbeit über Ressortgrenzen hinweg steckt.

Fotos: © DUH